Prag-Projekt

Kooperationsprojekt Prag-Leipzig

"Prager deutsche Literatur in Deutschland und Europa" unter der Leitung von Prof. Dr. Ilse Nagelschmidt (Universität Leipzig) und Dr. Viera Glosíková (Karls-Universität Prag)

Projektbeschreibung

Das Projekt kooperiert mit der Pädagogischen Fakultät der Karls-Universität Prag und wird im akademischen Jahr 2015/16 zum fünften Mal anlaufen.

Dabei handelt es sich um ein internationales Projekt mit deutschen und tschechischen Studierenden, welches vom DAAD gefördert wird. Anliegen der gemeinsamen Arbeit war und ist es, pragerdeutsche Autorinnen und Autoren im Kontext der deutschsprachigen Literaturen des 20. Jahrhunderts zu erschließen.

Die tschechischen und deutschen Studierenden treffen sich im Oktober zunächst in Prag. Hier haben sie zum einen die Gelegenheit, authentische Orte kennenzulernen und vielfältige Einblicke in Leben und Werk des jeweils behandelten Autors zu bekommen. Zum anderen werden über die anschließenden gemeinsamen Diskussionen und Absprachen in einer ersten Runde die Themen der weiteren Zusammenarbeit festgelegt. In den darauf folgenden Monaten werden diese präzisiert. Die Gruppen halten miteinander Kontakt und kommen erneut in Leipzig im April zusammen. Nach Stunden intensiver gemeinsamer Arbeit und der notwendigen Abstimmung werden die Ergebnisse auf dem gemeinsamen Kolloquium präsentiert werden. Die Resultate dieser Arbeit werden abschließend auf den Internetseiten beider Universitäten veröffentlicht. Somit unterstützt das Projekt die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses aufgrund der akademischen Struktur des gesamten Projekts: Die Studierenden arbeiten in internationalen Tandems, entwickeln einen in sich stringenten Projektinhalt, formulieren Abstracts, referieren vor einem öffentlichen Publikum und publizieren einen Text.

Auf der Basis der erbrachten Leistungen und des Einsatzes wird diese Projektarbeit inzwischen vom Institut für Germanistik der Universität Leipzig als Modulleistung anerkannt.

Die Zahl der Teilnehmenden ist begrenzt. Bei Interesse wird um eine Anmeldung unter erasgerm(at)rz.uni-leipzig.de gebeten. Das Projekt wird zum Ende jedes Sommersemesters auf der Homepage der Germanistik unter ‚Aktuelles‘ veröffentlicht.

Kisch AJ 2014/15

Egon Erwin Kisch – der rasende Reporter. Anhand der Reportagensammlung Marktplatz der Sensationen wurde sein Schreiben und die Person Kisch aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet. Inszenierung seiner Person und seines Schreibens in Form der literarischen Reportage und sein humoristisches Schreiben stellen einen Aspekt der Untersuchungen dar. Ferner erfolgt eine Auseinandersetzung der Kisch’schen Milieubetrachtung, immer im deutsch-tschechischen Zwischengefüge.

Natonek AJ 2013/14

Das Thema des dritten Projekts widmete sich der Aufarbeitung von Hans Natonek, dem aus Prag stammenden Autor, Theaterkritiker und Publizisten, welcher über zwölf Jahre seines Lebens erfolgreich in Leipzig arbeitete (so erhielt er beispielsweise den Goethe-Preis). Im Zentrum des Projekts stand das Werk Natoneks Die Straße des Verrats. Publizistik, Briefe und ein Roman. In diesem Werk sind autobiographische Verarbeitungen zu finden – so sind eine Ehe, die gerade zerbricht und die Rolle der Juden um 1933 die zentralen Themen. Den Roman schrieb Natonek im Exil in seiner Geburtsstadt Prag. Doch auch der Aufenthalt in Prag war von kurzer Dauer. Im Verlauf der verhängnisvollen Ereignisse verließ er Europa in Richtung der Vereinten Staaten von Amerika für immer. Dort ist er schließlich gestorben, ohne jemals an seine großen Erfolge der zwanziger Jahre anknüpfen zu können.

Reinerová/Seghers AJ 2012/13

Im zweiten Jahr wurden Werke zweier Autorinnen – Anna Seghers und Lenka Reinerová – behandelt. Die DDR-Autorin und die letzte deutschsprachige Prager Autorin lernten sich im Exil kennen und somit war ihre Exilliteratur Gegenstand des Projektjahres. Von Lenka Reinerová wurde die Erzählung Schiffskarte aus dem Erzählband Zu Hause in Prag -manchmal auch anderswo und von Anna Seghers der Roman Transit untersucht. Das Ergebnis stellt eine Auseinandersetzung mit Orten und Themen, wie Identität, des Exils, inklusive der Sprache dar.

Perutz AJ 2011/12

Das erste Projektjahr, welches als Pilotprojekt fungierte, fokussierte sich auf den Roman Nachts unter der steinernen Brücke von Leo Perutz. In dieser dichten Erzählung sind jüdische Legenden des Prager Sippurims verarbeitet. Auf den Spuren der Geschichte des alten Prags und dem fiktiven, mythischen Prag setzten sich die Studierenden in Konfrontation mit dem heutigen Prag, insbesondere mit dem jüdischen Viertel nach seiner Assanierung und der Prager Burg, auseinander.

letzte Änderung: 07.06.2016